
Berufswechsel
Teil von Weiterbildung für Berufswechsel: Förderung, Dauer und Kosten in Deutschland
Umschulung finanzieren: Bildungsgutschein und Arbeitslosengeld im Rechenbeispiel
Umschulung in Vollzeit finanzieren: Was der Bildungsgutschein übernimmt, wie Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung den Lebensunterhalt sichert.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Der Bildungsgutschein übernimmt Lehrgangskosten und Prüfungsgebühren; Fahrtkosten und Kinderbetreuung können zusätzlich erstattet werden.
- Den Lebensunterhalt sichert das Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung, früher Umschulungsbeihilfe genannt.
- Der Satz beträgt 60 Prozent des pauschalierten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent.
- Der Bildungsgutschein muss schriftlich vor Beginn der Maßnahme vorliegen, eine mündliche Zusage reicht nicht.
- Umschulungen dauern in Vollzeit häufig 18 bis 24 Monate, geförderte Weiterbildungen oft drei bis zwölf Monate.
Was der Bildungsgutschein bei einer Umschulung trägt
Der Bildungsgutschein übernimmt bei einer Umschulung die Lehrgangskosten in tatsächlicher Höhe und die Prüfungsgebühren. Fahrtkosten und Kinderbetreuung können zusätzlich erstattet werden. Mit dem Gutschein sichert die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter zu, bestimmte Kosten zu übernehmen, so die Bundesagentur für Arbeit.
Arbeitsuchende und Beschäftigte erhalten ihn, wenn die Weiterbildung für die Eingliederung notwendig ist. Gefördert wird zudem nur, wenn der Träger zugelassen wurde. Wie der Antrag bei der Agentur abläuft, beschreibt der Beitrag zum Antrag auf Weiterbildung.
Die Zusage gilt schriftlich und vor Beginn der Maßnahme. Wer vorher unterschreibt, riskiert, dass die Kosten nicht übernommen werden.
Warum die Dauer die Summe bestimmt
Eine Umschulung endet mit einer Prüfung in einem anerkannten Ausbildungsberuf, eine Weiterbildung meist mit einem Zertifikat des Trägers. Beide Wege stehen im SGB III als berufliche Weiterbildung. Die Dauer hängt vom Beruf, vom Träger und von den Vorkenntnissen ab, verbindlich ist der Bildungsplan.
Umschulung vs. Weiterbildung
Umschulung
- Ziel
- Abschluss Ausbildungsberuf
- Dauer Vollzeit
- 18 bis 24 Monate
- Dauer Teilzeit
- bis 36 Monate
- Abschluss
- Prüfung vor Kammer
- Teilnehmer
- ohne nutzbaren Abschluss
Berufliche Weiterbildung
- Ziel
- Zusatzqualifikation
- Dauer Vollzeit
- 3 bis 12 Monate
- Dauer Teilzeit
- 6 bis 18 Monate
- Abschluss
- Zertifikat des Trägers
- Teilnehmer
- mit Berufserfahrung
Je länger die Maßnahme läuft, desto mehr Monate Lebensunterhalt und Fahrtkosten kommen hinzu. In Teilzeit verlängert sich die Dauer deutlich, häufig auf 30 bis 36 Monate. Aufstiegsfortbildungen wie Fachwirt oder Meister laufen über das Aufstiegs-BAföG und nicht über den Bildungsgutschein.
Rechenbeispiel: 21 Monate Umschulung in Vollzeit
Das Beispiel nutzt angenommene Werte für eine Umschulung in Vollzeit. Angenommen werden 21 Monate Dauer, 14.500 Euro Lehrgangsgebühr, 500 Euro Prüfungsgebühr und 80 Euro Fahrtkosten im Monat.
- Lehrgangsgebühr14.500 Euro.
- Prüfungsgebühr500 Euro.
- Fahrtkosten80 Euro mal 21 Monate, zusammen 1.680 Euro.
- Der Bildungsgutschein trägt in Summe 16.680 Euro.
- Arbeitslosengeld60 Prozent von 1.600 Euro pauschaliertem Nettoentgelt sind 960 Euro im Monat, über 21 Monate 20.160 Euro.
Der Bildungsgutschein deckt die Kosten der Maßnahme. Das Arbeitslosengeld deckt dagegen den Lebensunterhalt in dieser Zeit und ist eine zweite, getrennte Leistung.
Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung
Die früher übliche Umschulungsbeihilfe läuft heute als Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung und als Übernahme der Weiterbildungskosten. Die Höhe folgt dem allgemeinen Leistungssatz nach § 149 SGB III: 60 Prozent des pauschalierten Nettoentgelts, mit mindestens einem Kind 67 Prozent.
Die Förderung der beruflichen Weiterbildung beschreibt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Überblick. Welche Beispiele zu Kosten und Förderung sich für andere Wege ergeben, zeigt der Beitrag mit fünf Beispielen.
Wann das Weiterbildungsstipendium nicht passt
Das Weiterbildungsstipendium stammt aus der Begabtenförderung berufliche Bildung und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert. Aufgenommen werden junge Fachkräfte unter 25 Jahren, die ihre Abschlussprüfung mit mindestens 1,9 bestanden haben oder über die Bestenregelung vorgeschlagen wurden.
Gefördert werden bis zu 2.400 Euro pro Jahr, in drei Jahren bis zu 7.200 Euro. Arbeitslose erreichen dieses Stipendium nicht. Es ersetzt deshalb weder den Bildungsgutschein noch das Arbeitslosengeld.
Kostenplan vor der Entscheidung
Wer eine Umschulung plant, stellt alle Posten nebeneinander. Wie sich die drei Wege Umschulung, Weiterbildung und Teilqualifikation unterscheiden, zeigt der Beitrag zu Förderung, Dauer und Kosten. Der Kostenplan hält fest:
- Lehrgang und Prüfung des Trägers.
- Fahrten und Betreuung während der Laufzeit.
- Verdienstausfall und Lebensunterhalt je Monat.
- Zulassung, Dauer, Abschluss, Fehlzeiten und Abbruchregeln, schriftlich vom Träger verlangt.
- Schriftlicher Bildungsgutschein vor Beginn der Maßnahme.
Welche Träger Umschulungen und Weiterbildungen anbieten und welche Abschlüsse sie vergeben, steht im Überblick zu Anbietern und Abschlüssen.
Vor dem Kostenplan steht die Frage nach dem Ziel. Eine Checkliste zur Auswahl des Berufsbilds hilft, das Berufsziel vor dem Beratungstermin zu klären.
Häufige Fragen
Ersetzt der Bildungsgutschein das Arbeitslosengeld?
Nein. Der Bildungsgutschein übernimmt Kosten der Maßnahme, das Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung sichert den Lebensunterhalt. Beide Leistungen laufen getrennt.
Wie lange dauert eine Umschulung in Teilzeit?
In Teilzeit verlängert sich die Dauer deutlich, häufig auf 30 bis 36 Monate. Verbindlich ist der Bildungsplan des Trägers.
Wer bekommt einen Bildungsgutschein?
Arbeitsuchende und Beschäftigte, deren Weiterbildung für die berufliche Eingliederung notwendig ist. Über die Ausgabe entscheidet die Agentur für Arbeit nach einem Beratungsgespräch.
Was kostet eine Umschulung ohne Förderung?
Ohne Bildungsgutschein zahlen Teilnehmende Lehrgang und Prüfung selbst, je nach Beruf und Träger mehrere tausend Euro. Genaue Beträge nennt der Träger im Kostenplan.



